Fehlerhafte Maßnahmen im Kampf gegen Unterrichtsausfall
“Unglaubliche” 2,9 Prozent des Unterrichts sind in den letzten drei Januarwochen ersatzlos ausgefallen. Das gefiel den Elternverbänden natürlich gar nicht und forderten deswegen das Kultusministerium zum Handeln auf. Der Maßnahmenkatalog zur “Reduzierung des ersatzlos ausfallenden Unterrichts” kam am Montag bei den Gymnasien an. Eine Maßnahme ist beispielsweise, dass die Lehrer zur Präsenz am Vormittag verpflichtet werden, obwohl sie keinen Unterricht haben, schließlich müssen sie im Notfall einspringen können.
Der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus findet die Zielsetzung Unterrichtsausfälle zu reduzieren zwar richtig, aber durch die größere Belastung für die Lehrer “würden sich viele Kollegen vorkommen wie eine ausgequetschte Zitrone, die man noch weiter ausquetscht.” Zur Mehrbelastung für die Lehrer führen vor allem die aufgrund der Pflichtpräsenzen zustande kommenden ungünstigen Stundenplänen.
Überbelastung für die aktuellen Lehrer ist ein wichtiger Kritikpunkt gegen über dem Kultusministerium. Das Paradoxe ist aber, dass die aktuell angestellten Lehrer mehr arbeiten solllen, zugleich aber kein Geld dar ist um neue Lehrkräfte anzustellen. Selbst Referendare mit herrausragenden Examnoten werden oft dank des fragwürdigen Auswahlssystems nicht an einer Schule übernommen. Max Lachner, Vorsitzender der oberfränkischen Arbeitsgemeinschaft bayerischer Junglehrer beklagte, dass 5000 junge, hochmotivierte, bayerische Lehrer arbeitslos seien. “Welch eine Verschwendung. Erst bildet man Lehrkräfte für teures Geld aus und lässt sie dann auf der Straße stehen”, wetterte Lachner.
Marcel Swoboda hat das zweite Staatsexamen mit 1,0 bestanden. Dennoch wurde er von keiner Schule übernommen. Sein Problem ist die Fächerkombination Deutsch/Geschichte, bei welcher laut Kultusministerium zurzeit “kein Bedarf bestehe”. Nachvollziehen kann Herr Swoboda das nicht, schließlich hat er ohne Probleme einen Aushilfsvertrag bekommen und darf nun Geschichte und Deutsch unterrichten. Verwunderlich ist, dass zwei Schulen sogar Bedarf gehabt hätten, aber leider keine Stelle dafür erhalten haben.
Auch für die anderen Schulen ergeben sich immer größere Probleme. Herr Spaenle lobt die Realschulen, denn hier fallen nur 1,2 Prozent des Unterrichts aus, obwohl zurzeit an vielen Schulen die Situation wegen kranken Lehrkräften angespannt ist. “Die Kollegen fangen das durch Mehrarbeit auf”, sagt Anton Huber, Vorsitzender des Bayerischen Realschullehrerverbands. “Aber auf Dauer kann das so nicht weitergehen.”
Ebenso dramatisch ist die Situation an den beruflichen Oberschulen FOS und BOS. Der reguläre Unterricht kann aufgrund erheblichen Lehrermangels selbst wenn alle Lehrer anwesend sind kaum sichergestellt werden. Folglich werden Fächer wie Sport, Geschichte oder Religion gestrichen und fallen damit bei der Ausfallstatistik unter den Tisch.
Es gibt ungefähr 1600 Förderlehrer für die Volksschulen in Bayern. Aber jetzt bitte nicht denken 1600 wäre eine beachtliche Zahl. Es gibt in Bayern 650000 Grund- und Mittelschüler. Somit ist ein Förderlehrer für 400 Schüler zuständig. An den Grundschulen fällt grundsätzlich wenig Unterricht aus, aber man muss dabei die Definition beachten meint Klaus Wenzel, Vorsitzender des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV). “Wenn ein Lehrer 60 Schüler in der Turnhalle unterrichtet, weil zwei Klassen zusammengelegt werden müssen, dann ist das für mich Unterrichtsausfall, für Herrn Spaenle nicht.”
Letztes Wochenende hatten Elternvertreter, und die pädagogischen Berufsverbände Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die Katholische Erziehergemeinschaft (KEG) nicht umsonst zu einer Protestaktion in Bamberg gegen das bayerische Bildungssystem protestiert. Ein zeitiges Ende der rigiden Sparpolitik wäre durchaus erfreulich. Außerdem muss der Lehrerberuf wieder attraktiver gemacht werden, denn einerseits gehen viele lieber in die Wirtschaft und andererseits fehlen vor allem in den Grundschulen männliche Lehrkräfte.
Wenn man schon mal dabei ist Geld für die Bildung auszugeben, hätte ich einen interessanten Vorschlag für unser Kultusministerium. An einer Berliner Schule wurden die Tafeln durch Touchboard und Beamer ersetzt. Die Schüler lernen durch diese Unterrichtsmethode nicht nur Deutsch oder Mathe, sondern auch einen kritischen Umgang mit dem Medium Internet.
Bildquellen: flickr/solarnu
Textquellen:
http://www.infranken.de/nachrichten/lokales/bamberg/Lehrerproteste-in-Bamberg;art212,250558