wake up! Nazistrukturen aufdecken – Interview mit der Antifa Straubing
Die Antifa Straubing, sowie u.a. auch die Straubinger Grüne Jugend und die bekannte Elektro-Punk Band Frittenbude haben auf ihren Facebook-Seiten bereits darauf hingewiesen: In den kommenden zwei Wochen finden in Straubing eine Kundgebung und in Deggendorf eine Demonstration gegen rechte Umtriebe in Niederbayern statt. Weshalb dies nötig ist, was sich die Organisatoren davon erhoffen und was es mit der Naziszene in Niederbayern auf sich hat, haben wir die Leute der Antifa in Straubing gefragt:
In den nächsten zwei Wochen scheint in der Gegend ja viel geboten zu sein, viele fragen sich wahrscheinlich woher dieser plötzliche Aktionismus kommt?
Sowohl die Kundgebung, als auch die Demo finden nicht statt, weil wir einfach Mal Bock hatten mal wieder zu demonstrieren. Vielmehr ist es so, dass in Niederbayern seit Ende 2009 eine aktive Kameradschaft existiert, die es sich zum Ziel gesetzt hat rechtsradikale Inhalte zu verbreiten und „Nationalen Sozialismus“ als einzig sinnvolle Regierungsform ansieht. Mit hoher Frequenz fanden vor allem im Jahr 2010 zahlreiche Kundgebungen und Demos der Nazis statt. Ihnen gelang es dabei einige Jugendliche in die rechte Szene einzubinden, ein Trend, dem es sich entgegenzustellen gilt.

Denkt ihr nicht, dass es besser wäre die Nazis einfach zu ignorieren? Meint ihr nicht, dass ihr durch die angekündigten Aktionen den Nazis eher Aufmerksamkeit verschafft und ihnen damit in die Hände spielt?
Wir denken, dass es der falsche Weg ist Nazis zu ignorieren. Denn wenn Nazis ignoriert werden, heißt das, dass sie ihre Propaganda ungestört verbreiten können, vor allem Jugendliche können dadurch leicht beeinflusst werden. Wenn es aber wahrnehmbaren Protest gegen Rechts gibt, wird es für die Nazis umso schwieriger an die Öffentlichkeit heranzutreten. Können Nazis also ungestört agieren, dann könnte eine Gesellschaft entstehen, in der jeder, der nicht in ihr Weltbild passt einer hohen Gefahr ausgesetzt ist. Wir haben keinen Bock, dass sich Menschen nicht mehr auf die Straße trauen können, nur weil sie homosexuell sind oder eine andere Hautfarbe haben. Außerdem ist es nötig darauf aufmerksam zu machen, dass es solche rechten Umtriebe auch in Niederbayern gibt, denn wenn kein Mensch davon weiß, wird auch kein Mensch auf die Straße gehen um dagegen laut zu werden.
Wie sehen diese „Umtriebe“ in Niederbayern denn konkret aus?
Wie gesagt, die Nazis versuchen vor allem durch Öffentlichkeitswirksame Aktionen ihre menschenverachtende Ideologie zu verbreiten. Vor allem Kundgebungen und Demos bieten einen gewissen „Eventcharakter“, wodurch der Einstieg in die rechte Szene wohlmöglich leichter fällt. Darüber hinaus nutzen die Nazis aus dem Umfeld der Niederbayerischen Kameradschaft in Deggendorf zwei Kneipen zusammen mit der NPD. Dort finden entweder Vorträge statt oder man trifft sich am Wochenende, betrinkt sich zusammen und tauscht sich über sein krudes Weltbild aus. Im Umfeld von solchen rechten Veranstaltungen kam es bereits zu Übergriffen auf Andersdenkende.

Aber auch Sachbeschädigungen von Autos (gesprühte Hakenkreuze) und Einrichtungen von Organisationen, die sich gegen Rechts engagieren, antisemitische Sprühereien bis hin zu Drohbriefen gegen den Betreiber eines Döner – Restaurants in Straubing sind keine Ausnahme mehr. Auch versuchen die Nazis ihre Gesinnung mit Stickern zu verbreiten, die sie an Laternenmasten und Straßenschilder kleben. Also einfach mal die Augen offen halten – die Dinger sind schnell abgekratzt ;-)
Was ist dann genau geboten?
Als Reaktion auf den Drohbrief gegen den Betreiber eines Straubinger Döner – Restaurants und wegen der Sachbeschädigung am „Roten Häuschen“, dem Veranstaltungsort des monatlich stattfindenden „Antifa – Cafés“, wollen wir zusammen mit den Straubinger „Jusos“ bereits am 10. September eine Kundgebung in Straubing abhalten. Dabei wollen wir vor allem die jüngsten Geschehnisse öffentlich machen und zeigen, dass wir uns von Nazis nicht einschüchtern lassen werden.
Die Demo in Deggendorf soll darüber hinaus zeigen, dass es nicht hinnehmbar ist, dass sich Nazis ungestört und offensichtlich von der Stadt geduldet, in zwei Gaststätten treffen und ihre Ideologie an „den Nachwuchs“ weitergeben können. Außerdem versuchten am 23. Juni etwa 15 Nazis eine Kundgebung gegen den Besuch von Thilo Sarrazin in Deggendorf anzugreifen. Daher wollen wir auch hier zeigen, dass wir uns nicht einschüchtern lassen werden und Intervention gegen Nazis wichtig und richtig ist.
Denkt ihr, dass sich nach Euren Veranstaltungen etwas ändern wird?
Wir glauben nicht, dass es nach unseren Aktionen plötzlich keine Nazis mehr geben wird.^^ Vielmehr hoffen wir den Menschen in Niederbayern die Augen öffnen zu können und Neonazismus keinesfalls ein Problem ist, welches nur in „den neuen Bundesländern“ besteht, sondern, dass die Rechten auch vor unseren eigenen Haustüren agieren. Außerdem würden wir uns wünschen, dass die Stadt Deggendorf, endlich der Nutzung der Gaststätten in Deggendorf ein Ende setzt. Bisher hat auch die örtliche Presse das Problem nahezu ignoriert. Nun soll dem rechten Treiben die nötige Aufmerksamkeit zukommen.
Möchtet ihr sonst noch was loswerden?
Klar, gerne :-)
Wir möchten allen Leuten hiermit nahelegen sowohl am 10. September, als auch am 17. September gegen Nazis auf die Straße zu gehen um zu zeigen, dass für ihre Gesinnung kein Platz ist. Nazis fallen nicht vom Himmel, vielmehr sind sie Produkt einer Gesellschaft, die Weg schaut und ignoriert. Lasst uns also alle hinschauen und endlich laut werden!

P.S.: Alle Leute aus Straubing treffen sich am 17. September zur gemeinsamen Anreise nach Deggendorf um 13 Uhr am Bahnhof in Straubing.
Weitere Infos findet ihr unter www.aak-sr.tk
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